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13.04.2004

Nizo – die Super-8-Wunderwerke

Von Jürgen Lossau

Gestatten Sie mir, von den rund 60 Super-8-Kameras aus dem Hause Nizo eine gewisse Auswahl zu treffen und hier nur die besonders interessanten Stücke vorzustellen. «Bestausgestattete Super-8-Kamera der Welt», so schreibt die Braun AG über ihre «Nizo S 800» von 1971. Jetzt muss ich zunächst ein wenig stänkern. Rund sechs Jahre sind also vergangen (seit Super 8 im Jahre 1965 auf den Markt kam), bis eine Filmkamera für die neue Kodak-Kassette vorgestellt werden kann, die annähernd das leistet, was bei den letzten Normal-8-Modellen schon Usus war. Wer in der Bedienungsanleitung stöbert, erfährt auch gleich, warum das so ist. Zum Thema Überblendungen heisst es darin: «Um Überblendungen in Super-8-Kassetten möglich zu machen, muss ein etwa 27cm langes Filmstück in die Kassette geschoben werden. Dabei wird der Film in der Kassette einige Male umgelenkt. Wenn das Filmmaterial schlechte Gleiteigenschaften besitzt, kann es zu Stockungen und Störungen kommen. Überblendungen auf den letzten Filmmetern vermeiden, da ein reibungsloser Ablauf nicht garantiert ist.»

Nun haben wir schon mal erfahren, was die Kamera nicht kann, obwohl sie es laut Prospekt können soll. Auf- und Abblendungen sind jedoch ohne Probleme machbar. Die Belichtungszeit der Einzelbilder lässt sich von 1/43 auf 1/86 Sekunde verkürzen. Bildsynchrone Tonaufnahmen sind mittels Impulskabel ebenso möglich wie die zuschaltbare Zeitlupe von 54 Bildern in der Sekunde. Die Kamera hat auch eine Einzelbildautomatik, in der 6 Bilder pro Sekunde bis minimal ein Bild pro Minute geschossen werden. So erblühen Rosen im Handumdrehen. Schliesslich noch ein Blick auf die monströse Schneider-Optik: 1:1,8/7-80mm.

Noch opulenter kommt 1975 die «Nizo professional» daher. Braun nennt das Spitzenmodell eine «Kompaktkamera», was angesichts des grossen 12-fach-Zooms, das jetzt auch Makro ab Frontlinse beherrscht und angesichts zwei Kilo Gewicht ein wenig untertrieben scheint. Der «Silberpfeil» läuft neben 1, 18 und 54 Bildern auch mit 25 Bildern pro Sekunde. Zusammen mit dem eingebauten 50-Hertz-Generator können so Pilottonimpulse nach DIN 15 575 abgegeben werden. Aber auch ein 1000-Hertz-Oszillator gehört zur Grundausstattung. Hier entsteht wahlweise bei jedem oder jedem vierten Bild ein Steuerimpuls. Insgesamt bietet die «Nizo professional» in fünf Schalterstellungen sämtliche denkbaren lippensynchronen Vertonungsvarianten. Damit hat sie eine Alleinstellung auf dem Super-8-Filmkameramarkt.

Weiterentwickelt ist ebenso die Langzeitbelichtung. Einzelbilder werden durch einen speziellen Belichtungsmesser im Fenster der Frontplatte automatisch so lange belichtet, wie es die vorhandene Lichtmenge erfordert. Danach wird selbsttätig das nächste Filmbild herangeholt und vom Hellsektor der Umlaufblende zur Aufnahme freigegeben. So sind statische Motive ohne Handbelichtungsmesser, Fummelei und Rechnerei hervorragend auf Film zu bannen. Leider fehlt der Kamera ein Einzelbildzählwerk, was bei der aufwändig konstruierten Zeitrafferautomatik völlig unverständlich ist.

Die etwas spartanischer ausgestattete «Nizo 801 macro» dient derweil ab 1976 bei der «Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt» in München als wissenschaftliche Hilfskraft. Alle Messreihen mit den Triebwerken werden auf dem Versuchsgelände von der Kamera aufgezeichnet – mittels 30 Meter langem Fernauslösekabel. Die Auswertung erbringt Aufschluss über die Güte und den Zerstäubungsgrad der verschiedenen Einspritzsysteme. Weder die akustischen Schwingungen beim Triebwerklauf noch die Dampfwolken können der Funktionstüchtigkeit dieser Kamera etwas anhaben.


Mehr zum Brand Nizo
Die Kult-Marke: Wer unter der Super-8-Fans kennt sie nicht? Nizo – die Kultmarke, die punkto Design und Funktionalität auch im Schmalfilmbereich Massstäbe setzte.


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Nizo professional
Das absolute Nonplusultra in Sachen Super-8-Kameras: Die «Nizo professional».

Schneider-Variogon Objektiv der «Nizo professional
Blick ins Schneider-Variogon Objektiv der «Nizo professional».

Nizo 2056 sound
Die erste Tonfilmkamera aus dem Hause Braun: Die «Nizo 2056 sound» von 1976.

Nizo S1
Für das kleine Budget: Die einfache «Nizo S1» von 1972.

Nizo integral 5
Alles im Griff: Die praktische, mit Richtmikrofon ausgestatette «Nizo integral 5» von 1979 war die letzte Tonfilmkamera von Braun.

Nizo-Super-Kameras (Bilder: Jochen-Carl Müller).
Für die Grossansicht bitte Bild anklicken.


Filmkameras: Das internationale Standardwerk von Jürgen Lossau. Ein Buch mit Katalogteil über sämtliche Modelle in den Formaten 16mm, 9,5mm, 8mm, Single-8, Super-8 und Doppel-Super-8.