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04.05.2009

Nachgefragt: Wie geht es eigentlich Super 8 (Teil 1)

«Es ist ruhiger geworden in der Szene»

Super8site untersucht in einer losen Serie die aktuelle Situation um das Schmalfilmformat Super 8. Im ersten Teil kommt Jürgen Lossau, Chefredaktor der Fachzeitschrift «schmalfilm» zu Wort.

Von Beatrice Jäggi
Ende der Neunzigerjahre – also vor genau zehn Jahren — erlebte Super 8 eine Retrowelle. Dabei profitierte das Heimkino-Filmformat auch vom aufkommenden Internet, durch das sich eine internationale Fangemeinde bildete. Nach Meinung von Jürgen Lossau ist es in den vergangenen Jahren in der Szene wieder ruhiger geworden: «Die internationalen Foren im Internet sind höchstens halb so oft besucht wie noch vor zwei Jahren. Die Zahl der Threads dort schrumpft gewaltig.»

Lossau ist ein absoluter Szenenkenner. Obwohl die Zeit nicht unbedingt für Super 8 lief, ist es ihm dennoch gelungen, in den vergangenen Jahren um die Fachzeitschrift «schmalfilm» eine treue Leserschaft zu bilden. Vor fünf Jahren übernahm er die Redaktion und hauchte dem damals völlig verschnarchten Magazin neues Leben ein. Nach einem ersten inhaltlichen und optischen Relaunch im Frühjahr 2004 verpasste im Jahre 2006 Professor Lo Breier – ein österreichischer Layout-Guru, der an Titel wie «Tempo», «Die Woche» oder «Spiegel» beteiligt war – dem Heft abermals einen neuen Look. Auch inhaltlich hat sich viel getan. Weg von reinen Technikgeschichten erzählt das Magazin heute viel über die Nutzer von Super 8 und 16 mm. «Wir bringen Porträts über Filmer, stellen Filmprojekte vor und versuchen Film auch mit den modernen Medien zu verbinden» so Lossau.

Das neue Konzept zahlte sich bisher aus: So entwickelte sich, wie Lossau weiter anführt, die Leserschaft seit 2004 sehr gut. «Wir haben rund 40% Abonnenten dazu gewonnen und sind jetzt bei über 4.000 Lesern» freut sich Lossau. Neben der 50 bis 80 Jahre alten Stammleserschaft konnte sich das Magazin einem neuen jüngeren Leserkreis erschliessen. Lossau schätzt, dass heute ein Drittel der Leser zwischen 30-50 Jahre alt sind, «das sind aktive Filmer, die dies erst seit einigen Jahren machen. Sie haben Super 8 durch die Eltern oder als Jugendliche kennen gelernt und jetzt wieder neu für sich entdeckt.» Über die letzten sechs Jahre hat sich so eine kleine Szene gebildet und die Redaktion ist zum Mittelpunkt zahlreicher Anfragen geworden. Dabei gehen auch viele Lobes- und Dankesbriefe in der Redaktion in Hamburg ein. Das Fachmagazin feierte im letzten Jahr das 60-jährige Bestehen – und brachte mit der Nummer 1/2008 eine Sonderausgabe mit doppelt so vielen Seiten wie sonst heraus: «Die ganze Industrie – soweit sie noch existiert – hat in Anzeigen gratuliert. Ich glaube, dass war der Höhepunkt meiner Arbeit für schmalfilm.»

Obwohl sich auch die Anzeigenerlöse in den vergangenen Jahren gut entwickelten, kündigte sich im sechsten Jahr nach dem Relaunch Ungemach an. Weil nicht genügend Magazine an den Kioskauslagen verkauft wurden, stellt der Verlag (Schiele & Schön) nun diesen Vertriebskanal ein. Ebenfalls von der Bildfläche verschwunden ist das 2005 lancierte englischsprachige Pendant «smallformat». Der Aufwand erwies sich gegenüber der Zahl der Abonnenten als zu gross. Es erschienen insgesamt 19 Ausgaben.

Die «schmalfilm»-Leserschaft hält sich stabil, dennoch steht für Lossau fest, dass es in den letzten Monaten insgesamt um das Thema Super 8 und 16 mm ruhiger geworden ist. Einen Grund dafür sieht er in den hohen Filmkosten aber auch bei Problemen, die teilweise beim Filmtransport in den Kassetten und bei der Entwicklung (Laufstreifen) immer wieder aufgetreten sind. Doch ein echter Schmalfilm-Enthusiast gibt die Hoffung nie auf: «Mal sehen, ob es ein neues Revival gibt ...»

«schmalfilm» nur noch als Abo
Die Zeitschrift «schmalfilm» ist ab der nächsten Ausgabe 03/09 nur noch per Abo erhältlich. Derzeit läuft eine Sonderaktion für Leser, die «schmalfilm» bislang am Kiosk kauften und das Magazin ein Jahr lang (sechs Ausgaben) statt für 73.20 für 49.80 Euro abonnieren können.

Fünf Jahre lang führte «schmalfilm» auch den NOMOS Super 8 Filmpreis durch, den die Uhrenmarke NOMOS gesponsert hat. Das Engagement stellte die Firma 2009 ein. Nun ruft Lossau zu einem neuen Film-Wettbewerb «Mein FilmTageBuch» auf. Gesucht werden die besten Filmideen zu Super-8- oder 16-mm-Produktionen, die laufend im «schmalfilm» veröffentlicht werden. Zu gewinnen gibt es – sozusagen als Produktionsstarthilfe – Material wie Filme, Gutscheine für Digitalisierung etc. Einsendeschluss ist am 1. Oktober 2009. Weitere Infos www.schmalfilm.de


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Jürgen Lossau hat schon viele super Super-8-Aktionen eingefädelt.


Das Fachmagazin «schmalfilm» ist ab der nächsten Ausgabe 03/2009 nur noch per Abo erhältlich.


Immer wieder coole Covers: Die aktuelle Ausgabe 02/2009 von «schmalfilm».

www.schmalfilm.de