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19.9.2011

Felix Berger: «Ich hatte eine wundervolle Kundschaft»

Wer in der Schweiz etwas mit dem Film zu schaffen hat, kennt seinen Namen. Über 40 Jahre stand Felix Berger als Verkaufsleiter der Kinoabteilung bei der Kodak SA in Lausanne in direktem Kontakt mit Filmschaffenden und Produzenten. Dabei entwickelte er sich selber zu einer Art Institution. Ende Juni 2011 verabschiedete sich Felix Berger aus dem Berufsleben in den wohlverdienten Ruhestand. Am internationalen Filmfestival Locarno (3.-13.8.2011) lud Kodak Schweiz die Schweizer Filmszene zu einem Abschieds-Apéro für Felix Berger ein. Super8site nutzte die Gelegenheit um noch einmal mit dem Kodak-Mann über Film, Super 8 und sein neues Leben zu sprechen.

Interview Beatrice Jäggi
Felix Berger, Sie sind seit gut einem Monat im Ruhestand. Ist schon etwas Ruhe in Ihr Leben gekommen?
Ja, die Ruhe hat sich schnell eingestellt. Ich hatte viel Zeit mich auch diesen Moment vorzubereiten und ich freute mich auch auf meine Pensionierung. Nach 41 Jahren bei der Kodak SA überlasse ich das Feld jetzt gerne einer jüngeren Generation.

Wie sind Sie damals zu Kodak gekommen?
Durch einen Zufall. Als gelernter Drogist interessierte ich mich schon in jungen Jahren für die Fotografie. In einer Zeitschrift hatte Kodak damals Kurse für Fotofachverkäufer ausgeschrieben. Als ich dort anrief und fragte, ob sie nicht einen Job für mich hätten sagten Sie mir, dass gerade eine Stelle in der Kinoabteilung frei geworden sei. Am 1. Juni 1970 fing ich in Lausanne an. Es folgte eine spannende aber auch harte Lehrzeit. Die Leute sprachen von 35- und 16mm und auch von Super 8. Ich hatte anfänglich keinen blassen Schimmer wovon die da reden. Ich arbeitete mich dann durch Kurse in Paris, London und Stuttgart in die Materie ein. So bin ich ins Kinobusiness hineingewachsen.

Hätten Sie damals gedacht, dass Sie so lange bei Kodak bleiben?
Das war damals nicht so vorgesehen. Ich stamme ja aus der Gegend von Basel und wollte für einige Zeit weg von dort. Aus einem Jahr in Lausanne wurden dann zwei um die Sprache richtig lernen zu können. Schliesslich verliebte ich mich immer mehr in diese Filmprodukte und auch in meine Kundschaft. Ich hatte eine wundervolle Kundschaft mit den Filmemachern und den Produzenten!

Wie hat man in der Schweizer Filmszene auf ihre Pensionierung reagiert?
Viele haben mir gratuliert und gesagt, Du hörst im genau richtigen Moment auf. Natürlich gab es auch Reaktionen nach dem Motto, was machen wir jetzt ohne Dich? In diesen Fällen fragte ich zurück, wann hast Du das letzte Mal auf Film gedreht? Mein Rückzug aus dem Geschäft bedeutet ja nicht das Ende von allem. Mit Kristian Golder von Kodak München habe ich einen wirklich sehr engagierten Nachfolger.

Welche Rolle spielt der Film in Zukunft in Ihrem Leben?
Ich werde dem Film treu bleiben und möchte mir weiterhin Filme im Kino anschauen. Dafür habe ich jetzt mehr Zeit. Die Schweizer Filme, Kurzfilme und Diplomfilme aus den Hochschulen habe ich mir immer sehr gerne angeschaut und ich war gerne in dieser Szene mit dabei.

Wie sieht Ihr neues Leben nach der Pensionierung aus?
Ich möchte jetzt endlich alle Museen in Lausanne besuchen, die ich noch nicht kenne. Dann werde ich mich weiterhin für den Filme interessieren und ich wurde auch schon von Film Location Switzerland angefragt, ob ich als neutrale Person ins Komitee kommen wolle. Demnächst werden ich und meine Frau ja auch noch Grosseltern und da wartet eine weitere schöne Zusatzbeschäftigung auf uns.

Kommt Ihre Super-8-Kamera dabei zum Einsatz?
Die war während den letzten Jahren gut im Schrank aufgehoben. Sie wird jetzt aber sicherlich wieder ab und zu zum Einsatz kommen wenn ich einen Ektachrome D100 mit Aufnahmen von meinem Enkelkind belichte.

Rückblickend auf Ihre Zeit bei Kodak, was waren die tollsten Erlebnisse, die Sie ihrem Enkelkind dereinst erzählen?
Etwas vom Schönsten an meiner Arbeit bei Kodak war immer wieder der Besuch auf Drehplätzen. Einmal – das war auf einem Dreh im Tessin – spielte ich in einem Film selbst eine kurze Rolle. Ganz toll war es wenn ich zu Gast sein durfte bei einem indischen Filmteam, das in der Schweiz drehte. Die Inder sind zwar nicht ganz so gut organisiert wie wir Westeuropäer, sie sind dafür aber sehr herzlich und auf dem Set gab es immer feines Curryessen. Das Filmmaterial bezahlten die auch immer in bar mit tausenden von Schweizer Franken! An diesem Punkt erinnere ich mich an etliche weitere Spezial- und Express-Lieferungen von Filmmaterial an Drehplätze – an Wochenenden oder mitten in der Nacht per Hubschrauber an einen Drehort auf dem Berg.

Wird Kodak weiterhin auf den analogen Film setzen?
Es wird weiterhin neues Filmmaterial entwickelt und produziert wenn auch in kleinerem Rahmen, da heute in diesem Bereich viel digital gedreht wird. In den Kinosälen werden in den kommenden Jahren sicherlich noch viele Filme auf 35-mm gezeigt. Aber auch hier ist der Wechsel ins digitale Zeitalter voll im Gange.
(Das Interview wurde am 8.8.2011 in Locarno geführt)


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Kristian Golder und Felix Berger (r.)

Schweizer Bestellungen für Super8-Filme werden neu über Kodak München abgewickelt.

Kontakt:
Herr Kristian Golder
kristian.golder [at] kodak.com
Tel. ++49 89 3565 3962
Fax ++49 89 3565 4004

Für die französischsprachigen Kunden aus der Schweiz stehen folgende Telefonnummer bereit: ++33 1 4001 3075 und ++33 1 4001 3333.


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