Super8site – Das Online Fanzine für Super 8 Fans Super8site – Das Online Fanzine für Super 8 Fans








 
20.01.2003

Ein Blick zurück aus das 3. Formel Super 8 Festival

Die dritte Ausgabe des Formel Super 8 Filmfestivals in der Roten Fabrik gehört der Geschichte an. Umso lieber möchten wir uns jetzt noch ein wenig an das klein aber feine Festival erinnern, das wiederum einiges Sehenswertes ans Tageslicht bzw. vor die Projektionslampe brachte.

Von Beatrice Jäggi

Der grosse BesucherInnenandrang wie bei den ersten beiden Festivals blieb dieses Jahr zwar weitgehend aus, diese Tatsache konnte aber zu keinem Augenblick die ausgelassene und lockere Stimmung an den drei Abenden trüben. Das Publikum zeigte ein grosses Interesse an den gezeigten Filmen, den Installationen und der sehr gelungen inszenierten Performance.

Den Auftakt zum Festival bildete die Offene Leinwand am Donnerstagabend. Erwartungsgemäss waren die spontan mitgebrachten Werke von sehr unterschiedlicher Qualität. Im Programm fanden sich aber dennoch ein paar sehr witzige und sorgfältig gedrehte Filme, wie z.B. die Produktion «Chäschüechli» von Andreas Brändle, der den Publikumspreis mit nach Hause nehmen durfte.
Neues aus der Schweizer Super-8-Szene flimmerte dann zu Beginn des Freitagabends über die Leinwand. Die neun für den Wettbewerb erlesenen Werke stammten von acht Autorinnen und Autoren. Darunter befanden sich auffallend viele Animationsfilme. Für herzhafte Lacher sorgte der Film «Pingu falls in Love». Der Macher Adrian Tschäppeler hat auch in seiner neusten Pingu-Trash-Episode dem braven Knetmassehelden ein derbes Gehabe verpasst. Bei der Gunst ums Publikum wurde Tschäppeler dann überraschend von Barbara Ulrichs «La France» übertrumpft. In dem rund fünfminütigen Experimantal-Film werden die Abenteuer eines geheimnisvollen Wesens Namens «Pfingst» sowohl visuell als auch akustisch erlebbar. Mit ca. 130 BesucherInnen war dies der am besten besuchte Abend des Festivals.

Experimentelles vom Feinsten wurde an der anschliessenden Performance des Künstlerduos «any affair» aus Basel geboten. Sibylle Hauert und Daniel Reichmuth waren schon am Nachmittag rege damit beschäftigt all die Projektoren, Projektionsflächen und die irren Kulissen in die richtige Position zu rücken. Genau nach Plan liessen die beiden, verstärkt durch Spezial-Pilot Floh Olloz, dann um 22 Uhr die Show sausen – ein Formel-Super-8-Rennen mit Super-8-Rückprojektionen, Feuerwerk, Musiksampels und vielem mehr – ein Erlebnis der achten Dimension.

Abschuss des zweiten Festivalabends bildete das Internationale Programm mit Filmen aus Portugal und Deutschland. Manuel Henriques, eigens aus Lissabon angereist, brachte sein vielfältiges Programm mit (er gestaltete dazu auch ein hübsches Programmplakat, auf dem er den Veranstaltungsort interessanterweise als Röte Fabrik nennt). Auf einem Monitor konnten im Foyer aktuelle Filme aus der portugiesischen Super-8-Szene bewundert werden. Für das Hauptprogramm im grossen Saal hatte er sich etwas Besonderes einfallen lassen: Er lud neun Super-8-Filmerinnen und -Filmer zu einem «Blind Date» ein, d. h., sie sollten zwei Rollen speziell für das Formel Super 8 Festival belichten. Die Filme durften nicht editiert werden und wurden parallel nebeneinander projiziert. Die Doppelprojektion mit dem Namen «fiftyfeetuncut» versprach einiges, die Geduld des Publikums wurde schliesslich aber doch etwas zu sehr strapaziert. Jene, die trotzdem bis zum Schluss sitzen geblieben waren, wurden dann aber im wahrsten Sinne noch mit einem Leckerbissen belohnt – mit den Filmen von Stefan Möckel. Der Super-8-Filmer aus Braunschweig stellte sein Programm auf der Bühne gleich selbst vor, indem er vor dem Publikum eine etwa eineinhalb Meter lange Liste seiner Filmografie abrollte. Über 250 Kurzfilmchen hat Möckel in den vergangenen zwanzig Jahren auf Super 8 gedreht, und mit einer Auswahl der besten war er nach Zürich in die Rote Fabrik gekommen. Dem verbleibenden Publikum hatte sein Programm von aberwitziger Komik bis zu eindringlicher Poesie sichtlich gefallen.

Der Samstagabend stand wieder ganz im Zeichen von Homemovies – Zeitzeugnisse auf Super 8. Der erste Teil des Programms war eine Zeitreise durch kulturelle und politische Ereignisse der Schweiz, ausgehend von der Landi 1939 in Zürich bis zu Aufnahmen, die erst vor ein paar Wochen entstanden waren – an der Expo.02 in Murten. Innerhalb dieser «Klammer» zeigten sich noch weitere Trouvaillen -– Aufnahmen der Wehrschau 1979 in Zürich von Filmemacher Dieter Gränicher oder ein Konzert der legendäre Zürcher Punkband «Nasal Boys» in der Aktionhalle der Roten Fabrik, aufgenommen von Réne Uhlmann im Jahre 1978. Der in Zürich lebende Fotograf und Illustrator hatte aus diesem Anlass aber gleich noch ein paar Filme dazu ans Festival mitgebracht. In einem eigens in der Aktionshalle eingerichteten Projektionsraum zeigte Rene Uhlmann weitere Perlen aus seinem Super-8-Filmarchiv: Die Aufnahmen, die mitten in der Zürcher Musik- und Kunstszene während der späten Siebziger- bis in die frühen Achtzigerjahren entstanden waren, dürften wohl ziemlich einzigartig sein, und so tauchten auch einige alte Freunde Uhlmanns am Festival auf, um sich noch einmal diese wilden und legendären Zeiten zu Gemüte zu führen.

In der anschliessenden Super-8-Sportschau war Belustigendes, aber auch Altertümliches zu sehen: Ein olympisches Bob-Rennen anno 1936 mit haarsträubender Flugeinlagen, das manierliche Ski-Schaulaufen Roger Staubs, eine steife Handballer-Hochzeit aus den Siebzigerjahren oder wunderschöne Wintersportaufnahmen, die in den frühen Vierzigerjahren in Schwanden GL auf Normal-8-mm-Film gebannt wurden. Schliesslich stimmte dann noch ein 16-mm-Dokstreifen des Monte Carlo Formel 1 Grand Prix auf das folgende Projektorenrennen ein.
Der legendäre Grand Prix Formel-Super-8 durfte natürlich auch an diesem Festival nicht fehlen. Das Projektorenrennen wurde heuer von vier zu Rennboliden zweckentfremdeten Super-8-Projektoren bestritten. Als grosser Sieger ging Juri Gagarin (Hans X Hagen) mit seinem Mobil «Sputnik» ins Ziel. Gratulation!

Rund vier Super-8-Filmerinnen und -Filmer konnten sich dieses Mal dafür begeistern, eine Super-8-Installation zu basteln, und das Foyer der Aktionshalle verwandelte sich einmal mehr in ein kleines Museum der ausgefallenen Kuriositäten: Ein technisch kleines Wunderwerk war die Konstruktion «Einarmiger Bandit» vom «mobilen kino» – Erika Loser liess in ihrer Flimmerkiste die weissen Konturen einer animierten Figur auf eine kleine fluoreszierte Leinwand flimmern – Res Zürcher zeigte auf einem Monitor Bilder aus der Schweiz, und Beatrice Jäggis Samichlaus-Sex-Kino brachte einige Besucherinnen und Besucher in Versuchung, doch einen Blick auf den im Verborgenen projizierten (Sex-)Film zu erhaschen.

Dass dieses Mal nicht so viel Leute den Weg an das sonst sehr gut besuchte Festival fanden, lag bestimmt nicht am Programm, für dessen Gestaltung das Organisationsteam der AG Film, bestehend aus Hans X Hagen, David Pfluger, Anita Schneeberger, Tom Keller, Martin Bachmann und Beatrice Jäggi, viel Zeit und Energie investiert hatten. Möglicherweise war es eben schon so, dass das Festival zu nahe ans Weihnachtsfest programmiert wurde. Lässt sich nur hoffen, dass sich die Organisatorinnen von diesen Umständen nicht davon abhalten lassen, in zwei Jahre ein viertes Formel Super 8 Festival auf die Beine zu stellen.


Formel Super 8 Filmfestival, 5. bis 7. Dezember, Rote Fabrik Zürich, www.formelsuper8.ch

© all rights reserved
www.super8site.com

«any affair» bauen die Kulissen für ihre Performance auf.



Vier Super-8-Boliden buhlten dieses Mal um den begehrten Pokal.