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23. Sebtember, 2002

Super-8-Farbfilme selbst entwickeln

Als Ergänzung zur Anleitung «Super-8-Schwarzweissfilme selbst entwickeln» sei hier erläutert, wie nach einem ähnlichen Prinzip ein Super-8-Farbfilm im Lomo-Spiraltank entwickelt werden kann. Als Entwicklungslösung dient der «Colortec E-6»-Entwicklungssatz von Tetenal. Dieser ist im Fotofachhandel erhältlich.

Von Beatrice Jäggi

Welche Filme können entwickelt werden?
Der «Colortec E-6»-Entwicklungssatz beruht auf dem E-6-Entwicklungsprozess, der für die Entwicklung von Farbdiapositiven verwendet wird. Mit diesem Filmentwicklungssatz kann problemlos auch ein farbiger Super-8-Film, z. B. der Ektachrome 7240 (125 ASA) im Lomo-Spiraltank entwickelt werden. Mit dem Chemiesatz können aber auch alte Agfa-Moviechrome- oder Fuji-Chromefilme entwickelt werden. Diese Filme weisen auf der Rückseite jedoch eine schwarze Schutzschicht auf, die verhindert, dass Licht von der Andruckplatte der Kassette auf den Film zurück fällt. Diese Schicht sollte vor der Entwicklung in einer zeitaufwändigen Prozedur zuerst vom Film entfernt werden. Wie schon bei den Super-8-Schwarzweissfilmen müssen all die Arbeitsschritte, bis sich der Film aufgespult im Tank befindet, in absoluter Dunkelheit geschehen (siehe Anleitung Schwarzweissentwicklung). Kodachrome-40-Filme können mit dem E-6-Entwicklungssatz NICHT entwickelt werden. Dazu wird ein spezielles, von Kodak entwickeltes Verfahren benötigt.
Der «Colortec E-6»-Entwicklungssatz erfolgt in drei Prozessbädern und einem Stabilisierbad:
- Erstentwicklung
- Farbentwicklung
- Bleichfixierbad
- Stabilisierbad

Die Umkehrung erfolgt während der Farbentwicklung, Bleichen und Fixieren in einem kombinierten Bleichfixierbad. Die Entwicklungszeiten können der Gebrauchsanleitung entnommen werden. Wie die Lösungen angesetzt werden, findet sich in der Gebrauchsanleitung.

Was wird für die Filmentwicklung benötigt?
Die Filmentwicklung geschieht am besten in einem Fotolabor (Dunkelkammer).
Zusätzlich benötigt werden:

  • warmes Leitungswasser
  • Farbentwicklungsthermometer mit Feinabstufung
  • elektrische Wärmeplatte

Mit einem «Colortec E-6»-Entwicklungssatz kann jeweils ein halber Liter Lösung angesetzt werden. Um einen Super-8-Film im Lomo-Tank zu entwickeln, werden daher zwei Entwicklungssätze benötigt. Um gleichzeitig zwei Super-8-Filme im Lomo-Tank zu entwickeln, werden drei Entwicklungssätze benötigt.
Die beiden ersten Prozessbäder (Erst- und Farbentwicklung) erfolgen bei einer Temperatur von 38 Grad Celsius. Dies bedeutet, dass die Lösungen zuerst auf die genaue Arbeitstemperatur aufgewärmt werden müssen. Dies kann auch auf einer herkömmlichen Elektroherdplatte geschehen (Gasherd ist für diesen Schitt ungeeignet!)

Tipps und Tricks
Es braucht ein wenig Übung, die Lösungen auf die genauen Temperaturen zu bringen. Das Aufwärnem geschieht am besten in einer alten Pfanne. Die Herdplatte sollte auf mittlerer Hitze eingestellt werden. Während man mit dem Thermometer laufend die Wärme der Lösung überprüft, sollte mit einem alten Esslöffel in der anderen Hand die Lösung stets umgerührt werden. Die Temperatur der Lösung steigt somit langsam und kontinuierlich an. Ein halbes Grad vor der Arbeitstemperatur sollte die Pfanne dann vom Herd genommen werden. Die Temperatur steigt noch etwas an und liegt dann leicht über der Arbeitstemperatur (Toleranz +/- 0,3 Grad). Es ist zu beachten, dass die Temperatur der Lösung während des Entwicklungsprozesses im Tank um ein bis zwei Grad fallen kann. Dies kann verhindert werden, in dem man den Tank während der Entwicklungsphasen in ein Becken mit warmem Wasser stellt, das die genaue Arbeitstemperatur der jeweiligen Lösung hat (Vorsicht, der Wasserstand darf nicht so hoch sein, dass es in den Tank läuft).
Wie bei allen Filmentwicklungen müssen auch hier die Lösungen in ständiger Bewegung sein . Durch zu starke Rotationsbewegungen mit der Spindel entstehen im Spulensatz sehr schnell Wirbelungen. Besonders in dunklen Partien des Filmes werden dadurch sehr schnell Ungleichmässigkeiten der Filmentwicklung sichtbar. Der Spulensatz sollte zuerst durch die Spindel leicht angehoben und wieder gesenkt, und dann vorsichtig um 360 Grad gedreht werden. Danach den Tank mit vorsichtigem Wiegen (Nord/Süd dann Ost/West) weiter bewegen. Dieser Vorgang sollte alle 30 Sekunden während 5 Sekunden oder alle 60 Sekunden während 10 Sekunden wiederholen werden. Empfehlenswert ist es ausserdem, die Lösung nicht über den Film zu giessen, sondern den Spulensatz in den bereits mit Lösung gefüllten Tank zu tauchen. Eine genaue Beschreibung über den Gebrauch des Lomo-Tanks findet sich in der Anleitung «Super-8-Schwarzweissfilme selbst entwickeln».
Wie bei vielem, macht auch hier die Übung und Erfahrung den Meister. Ehe man sich an die wichtigen Filme wagt, solle man das ganze zuerst an weniger wichtigen Aufnahmen ausprobieren.


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Im Lomo-Tank können auch Farbfilme entwickelt werden.